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[2016] [Ersteindruck] Warhammer Quest - Shadows over Hammerhal

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    • [2016] [Ersteindruck] Warhammer Quest - Shadows over Hammerhal

      Schlechtes Wetter am Wochenende. Beste Voraussetzungen für einen langen Spieleabend mit genau einem Spiel: Warhammer Quest – Shadows over Hammerhal.

      Cinderfall-District, Hammerhal-Aqusha. Arvious Sunhelm, Lord-Castellant der Stormcast Eternals, und sein guter Freund und begabter Schmied Golnir Coalbeard, begeben sich in die Tiefen weitgehend unbekannter Katakomben unter der Stadt. Begleitet werden sie von Alnaryn, erfahrener Kämpfer und Wissender der Elfen, sowie von dem Piraten Vizrin Kyre. Während die drei Erstgenannten in ihrem Motiv weitgehend übereinstimmen – die Bekämpfung eines Kultes des Chaosgottes Tzeentch, der den Untergang der Stadt in ihrer derzeitigen Form herbeiführen möchte – sind Kyre’s Motive weniger edel: ihm geht es in erster Linie um Profit und Rache. Rache dafür, dass ein nicht unerheblicher Teil seines Vermögens durch Verrat und Paktieren einiger seiner Untergebenen mit besagtem Kult in Flammen aufging. Nach einer Verfolgungsjagd quer durch die Stadt führte sie Archimain, der Greifenhund des Lord-Castellant, in ein heruntergekommenes Gebäude, in dem nicht nur Tzeentch-Kultisten zu finden waren, sondern auch ein versteckter Eingang in das unter Hammerhal liegende Labyrinth aus Katakomben – in dem Archimain, kaum war der Zugang geöffnet, auch schon verschwand... Es galt nun also zunächst einmal, Archimain wiederzufinden. Sein schrilles, aufgeregtes Kreischen war stets leiser geworden und mittlerweile gar nicht mehr zu hören.

      Die Treppe führte in die Tiefe und endete in einem grossen Raum, von dem aus Türen in alle Himmelsrichtungen abgingen. Ein schneller Blick zeigte, dass neben der, durch die sie gekommen waren, nur eine weitere Türe deutliche Abnutzungsspuren aufwies. Um das Überraschungsmoment auf ihrer Seite zu behalten, beschlossen die vier Gefährten, dass die am wenigsten benutzte Tür wohl der sinnvollste Weg sei. „Wenig benutzt“ hiess jedoch nicht „gar nicht benutzt“, und so sahen sie sich vier Tzeentch-Kultisten gegenüber, die durchaus geübt im Umgang mit ihren Waffen waren und offenbar als Wachen abgestellt waren. Eine Aufgabe, der die Kultisten mit Freude und Kompetenz nachkamen: bereits nach kurzer Zeit war Coalbeard schwer verletzt, Alaryn stark in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt, Sunhelm und Kyre angekratzt. Die Kultisten dagegen hatten mit ihrer verworrenen, verdrehten Magie auch noch einen Pink Horror beschworen, der mit seligem Lachen ganze Räume mit rosarotem Feuer füllte. Nur dank Kyre’s Kampfkünsten und Sunhelms Laterne, der Sigmar’s Licht innewohnt, war dieser Kampf noch zum Erfolg geworden. Die kurz darauf eintreffende Verstärkung der Tzeentch-Anhänger, vermutlich angelockt vom Kampflärm, setzte den Helden jedoch erneut schwer zu. Dass auch diese Anwender verbotener Magie wieder einen Pink Horror in die Welt beschwören konnten, erleichterte es nicht unbedingt. Schliesslich war es geschafft – die Helden reinigten Waffen und Rüstungen, Coalbeard lud nach. Er hatte viel geschossen, aber wenig getroffen. Offenbar doch etwas zuviel Zwergenbier, aber zum Erkunden der Katakomben reichte es schon noch....

      Die vier Helden durchschritten Raum um Raum, manche davon seit Jahrhunderten nicht mehr betreten und von rachsüchtigen Geistern heimgesucht. Andere angefüllt mit den Knochen zahlloser unglücklicher, vergessener Abenteurer. Wieder andere unerträglich heiss oder mit gefährlich schmalen Passagen über tödliche Abgründe.
      Nach einer scheinbaren Ewigkeit in der Dunkelheit der Katakomben kehrten sie zur Erholung nach Cinderfall zurück. Coalbeard hatte von irgendwoher einige Fässer Zwergenbier aufgetrieben und veranstaltete einen Trinkwettbewerb (den er natürlich auch gewann) und Sunhelm hielt es für angemessen, der örtlichen Kapelle einen Besuch abzustatten. Alaryn dagegen setzte lieber auf Alchemie statt auf göttlichen Beistand und kaufte einen Bullgor-Trank, den er beim nächsten handfesten Schwertkampf einzusetzten gedachte. Kyre zog es wenig überraschend zum Hafen, wo er bei einem alten Handelspartner einen überteuerten kleinen Zauber kaufte – was er seinem Gegenüber jedoch nicht verübelte; immerhin hatte er ihn auch schon häufig genug über den Tisch gezogen in seiner langen, erfolgreichen Karriere als Piratenkapitän.
      Und damit endet die Geschichte für heute.


      Was also kann Warhammer Quest – Shadows over Hammerhal, und was kann es nicht?

      Darüber möchte ich mir noch kein Urteil erlauben. Aber inzwischen reicht es zumindest für einen ersten Eindruck.

      Der mit Abstand wichtigste Aspekt:
      Das Spiel steht und fällt mit dem Spielleiter. Darin waren sich alle einig.
      Man kann es als Brettspiel spielen, sich strikt an Regelheft und Mechanik orientieren, die Aktionen durchwürfeln. Dann wird man es einmal spielen und danach wohl nie wieder anfassen. Die Mechanik ist simpel, häufig beliebig, repetitiv. Man könnte sagen: stumpf. Und zu allem Überfluss braucht sie auch noch einen Spielleiter, der über weite Strecken noch nicht einmal grossartig zu tun hat, weil keine Gegner auf dem Spielfeld sind. Oder man macht sich die Mühe und liest die 30 A4-Seiten Hintergrundgeschichte, die das Spiel mitbringt. Man schmückt die Beschreibungen etwas aus, fügt welche ein, wo es keine hat, verknüpft Räume miteinander, beschreibt Gegner- und Heldenaktionen, stellt einen Spielleiterschirm auf, etc. Dann fängt das Spiel an zu leben.

      Das ist nun natürlich kein Alleinstellungsmerkmal. Wenn man sich mit irgendeinem Dungeoncrawler diese Mühe macht, dann hebt man bei den meisten davon das Spielgefühl auf eine neue Ebene. Shadows over Hammerhal macht es aber mir zumindest ein bisschen einfacher als bei anderen Spielen dieser Art.
      Zum Einen sind die verschiedenen Regionen des Dungeons schon gut ausgearbeitet und nicht so generisch-langweilig wie Descent 1 oder so angefüllt mit Zeitdruck wie Descent 2 / Imperial Assault. Zum Anderen bringt es viel Hintergrund mit, der die Stadt und das Setting für den Spielleiter sehr viel greifbarer macht als eine Kurzbeschreibung der x-ten „Rette XY / Töte Z“-Quest. Dazu trägt zudem auch die Struktur des Dungeons selbst viel bei: es gibt keine Quest 1, 2, 3, etc. Es gibt nur verschiedene Treppen, die man hinabgehen kann, durchaus auch mal mehrere von einer Region aus. Diese führen in neue Bereiche des Dungeons, die manchmal Sackgassen sind, andere Male effektiv Korridore, wieder andere Male Verzweigungen mit noch mehr Treppen. Es ist im Endeffekt ein grosses, zusammenhängendes Dungeon.
      Schliesslich noch der Spielfluss selbst. Shadows over Hammerhal kann z.T. über lange Strecken komplett ohne Kämpfe auskommen. Es hat einfach keine Gegner auf dem Spielfeld. Hier und da hat es mal Fallen, aber effektiv wäre der Spielleiter dort weitgehend arbeitslos. Entweder man langweilt sich also (und die Spieler gleich noch mit), oder man versucht sich eben doch mal an der Erzählerrolle. Was in unserem Fall dazu führte, dass die Helden tatsächlich den Teil des Dungeons am liebsten mochten, in dem sie über 2 Stunden lang keinen einzigen Kampf ausgefochten haben.


      Aktuell ist das Fazit hier jedenfalls begeistert.
      Das Spiel ist spannend, es fühlt sich lebendig an, ist freier, flexibler und abwechslungsreicher als Silvertower. Und alle wollen unbedingt weiterspielen, denn es hat sich niemand auch nur eine Sekunde gelangweilt. Spielleiter (ich) eingeschlossen. Die simple Mechanik (mehr oder weniger identisch zu Silvertower) störte dagegen niemand, im Gegenteil: sie war dem Spielerlebnis nicht im Weg.


      Aber:
      Shadows over Hammerhal ist meiner Meinung nach nur mit Vorsicht zu geniessen.

      Es hat etliche Schwachpunkte, und es gibt viele gute und mechanisch weit bessere Alternativen. Der Levelup ist zäh und das in diesem Genre sehr geschätzte Gefühl der Charakterverbesserung stellt sich nicht unbedingt ein, Schätze sind grösstenteils Wegwerfgegenstände, die Stadt bietet auch nur noch mehr Zufallsereignisse.
      Dazu kommt, dass es eigentlich erst zusammen mit Silvertower wirklich Sinn macht, da man nicht nur die Gegner aus Silvertower auch als exotische Gegner in Shadows over Hammerhal nutzen kann, sondern die in Hammerhal enthaltenen Tzeentch-Kultisten eben auch die Pink Horrors aus Silvertower beschwören können.
      Und während Silvertower noch Miniaturen hat, die speziell für dieses Spiel entwickelt wurden, nutzt Hammerhal reguläre Minis. Das ist einerseits gut, weil es sehr viel mehr Individualisierung beim Bau ermöglicht. Andererseits verkompliziert es aber denselben auch enorm – etwas Erfahrung im Zusammenbau von Miniaturen ist hier definitiv ratsam.

      Die grösste Stärke von Shadows over Hammerhal ist Storytelling, insbesondere abseits von Kämpfen. Und es ist gleichzeitig seine grösste Schwäche. Von mir deshalb sicher keine uneingeschränkte Empfehlung, vielleicht noch nicht einmal eine Empfehlung. Aber auch der Hinweis: wenn es funktioniert und Spielleiter und Gruppe passen, dann ist es schon wirklich sehr gut.
      Wenn dir egal ist, wo du bist, kannst du dich auch nicht verlaufen.
    • So - Gelesen :)

      Das klingt für mich wirklich zweischneidig und lässt mich hadern. Ich weiß wahrscheinlich was Du mit den „monsterlosen Räumen“ meinst - Das habe ich bereits in einem Lets Play von Silver Tower gesehen und es hat mich da sehr neugierig gemacht. Es gibt halt teilweise auch Raumrätsel zu lösen (richtig?). Da ich garnicht ungerne den Spielleiter mache und auch solche Spiele auch nicht unbedingt als „Ich im Hardcorekampf gegen die Gruppe“ sehe, sondern den Leuten (und mir) eher ein interessantes Spielerlebnis bieten möchte, wurde ich hier hellhörig.

      Das große aber ist trotzdem der Aspekt der Arbeitslosigkeit als Spielleiter. Ich habe nichts dagegen, Kämpfe en masse als Spielleiter zu verlieren und muss nicht unbedingt um jeden Preis gegen eine Heldengruppe gewinnen...aber ich sollte schon etwas zu tun (und auf dem Brett zu ziehen/zu erledigen) haben. Ich bin als mitspielender Spielleiter in einem vorgefertigten Story-Abenteuer vielleicht ganz ok und bin auch an der Story der Helden interessiert. Aber nicht gut bin ich als erzählender / Geschichte-ausdenkender RPG Leiter, der die Story (aus der Arbeitslosigkeit heraus) selbst ausarbeitet....

      Ich bin da echt zwiegespalten. Ich hätte beide Spiele schon supergerne, einfach weil sie so erfrischend anders als die bekannten Dungeoncrawler sind, kein Wettrennen etc...aber ich will trotzdem doch auch als Spielleiter Püppken ziehen :)

      Super vielen Dank für den Bericht, man liest viel zuwenig von dem Spiel im Netz (auch gegenüber Silvertower). Kaufen würde ich mir eh ein gebrauchtes Exemplar, das mindestens zusammengebaut ist.
    • 1. Frage kann ich beantworten: JA
      2. Frage eigentlich auch, zumindest für offizielle GW Seiten gesprochen: Leider nein. Und inoffiziell ist GW da exrem hinterher, glaube also nicht...Du kannst natürlich Descent Figuren / Zombicide Helden etc proxxen.

      GW will ja in erster Linie Miniaturen verkaufen und solche Spiele sind nur Mittel zum Zweck / zum anfixxen da.
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    • Hab noch was gefunden: Bei Ebay gibts zumindest für Silver Tower Heldenanstecker (Wohl wie früher diese Rucksackbuttons). So wie ich das sehe wohl nur für die Helden, aber vielleicht kann man darauf aufbauen. Als Miniaturenfan hab ich mich mit dem miniaturenlosen spielen von Miniaturapielen aber jetzt auch sehr wenig befasst muss ich zugeben :D
    • Kurz zum Kampf:
      Das ist etwas entschlackt worden. Es gibt nur noch den Trefferwurf und bei den Helden einen Rüstungswurf, der den Treffer verhindern kann. Schaden wird bei einem Treffer direkt zugeteilt und ist meist fix, gelegentlich W3.

      Zum Rest:
      Dass man mit dem Kauf hadert, kann ich verstehen.
      Ich würde wohl mit Silvertower einsteigen und erst, wenn dieses Spiel gefällt, über Hammerhal nachdenken. Beide teilen viele der Schwächen wie z.B. die extrem würfel- und glückslastige Spielmechanik. Kommt man damit in Silvertower gut klar, wird man wahrscheinlich auch Hammerhal mögen.

      Der Hauptunterschied ist eben der Spielleiter. Silvertower ist gut und immer wieder anders, fühlt sich aber im Vergleich zu Hammerhal mechanischer, limitierter an, eben weil der Spielleiter anders auf die Helden reagieren kann als ein Regelkonstrukt. Das kommt insbesondere bei den Abschnitten ohne Kampf sehr zur Geltung.

      Und Miniaturen bewegt man bei beiden genug. Kein Grund zur Sorge. ;)
      Wenn dir egal ist, wo du bist, kannst du dich auch nicht verlaufen.
    • Deswegen reizen mich Spielleiterspiele ja auch so - Weil ich Coop Games oft ziemlich mechanisch finde.

      Sofern ich mal jeweils ein günstiges bemaltes Exemplar (oder wenigstens ein zusammengebautes) sehe, schlage ich wohl bei beiden zu. Das Lets Play zu Silvertower war schon erfrischend anders, als alle meine bisherigen Coop-Crawler-Erfahrungen.
    • [Tom] schrieb:

      Also, nach der Rezi kann ich nur sagen: Ok, statt diesem Spiel kauft man sich also besser gleich ein richtiges Pen & Paper!
      Da kann man AUCH Kämpfe (mit Miniaturen) ausfechten - aber hat noch viel, viel mehr Möglichkeiten...
      Genau das habe ich mir auch gedacht! In Prinzip ist ein gutes Pen&Paper mit entsprechendem Spielleiter in allen drei Richtungen besser (Charakterentwicklung, Kämpfe, Story&Rätsel).
      Brett und Pad – der Blog über Brett-, Videospiele und Tabletops. Aktuell: Meine Spiel'17 Highlights
    • [Tom] schrieb:

      Also, nach der Rezi kann ich nur sagen: Ok, statt diesem Spiel kauft man sich also besser gleich ein richtiges Pen & Paper!
      Da kann man AUCH Kämpfe (mit Miniaturen) ausfechten - aber hat noch viel, viel mehr Möglichkeiten...
      Jein.
      Zunächst kann man diese Aussage generalisiert auf sämtliche Dungeoncrawler übertragen. Das sind letztendlich alles nur simplifizierte Rollenspiele, die von einem richtigen Pen & Paper ausnahmslos bei weitem übertroffen werden in Sachen Handlungsfreiheit und Involvierung. Ob man da nun Descent 2, das alte Dungeons & Dragons Brettspiel oder Shadows over Hammerhal als "Brettspiel-Referenz" heranzieht, macht letztlich keinen Unterschied für das Fazit.

      Aber ein echtes Pen & Paper braucht eben auch Vorbereitung.
      Sehr viel auf Seiten des Spielleiters, immer noch einiges bei den Spielern. Und es ist eben "nicht mal so" spielbar, wenn man nicht gerade einen sehr routinierten Spielleiter zur Hand hat.

      Shadows over Hammerhal dagegen schon. Die Vorbereitung beschränkt sich auf das Lesen der Hintergrundstory und auf den gelegentlichen Blick in den Dungeonplan, um zu wissen, was die Spieler noch so erwartet. Der Rest ist einfach nur Improvisation: hier mal für Fallen würfeln, die es nicht gibt. Dort die Beschreibung des Raums mal etwas ausschmücken. Die Aktionen der Spieler kommentieren, oder auf ihren Charakter Bezug nehmen, wenn es grade passt. Die "Schlüsselstellen" sind ausgearbeitet, der Handlungsfaden liegt vor, die Gegner haben bereits ausgearbeitete Charakteristika und Verhaltensweisen, auf die man zurückgreifen kann, und weil die Spielmechanik simpel genug ist, haben alle genug Kapazität für derlei Spässe frei.

      Shadows over Hammerhal ist ein Hybrid aus zwei Welten, und es vereint dabei "simpel" (Brettspiel: Mechanik) mit "simpel" (Rollenspiel: Wahlfreiheit - nur Kämpfen und Fallen), aber ich kann es bei Bedarf einfach aufbauen und losspielen. Ein Rollenspiel braucht mehr Vorbereitungszeit, ein mechanisch besseres Brettspiel hat weniger Atmosphäre.
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    • Deine Aussagen zum Thema Rollenspiel treffen es leider nicht sehr genau, da es viele Systeme mit Einsteigerregeln und -Abenteuern gibt, die auch nicht mehr Aufwand erfordern. Das ist nicht das Entsprechende.

      Meiner Meinung nach besteht der Bedarf nach Brettspiel-Dungeoncrawlern nur dadurch, daß manche Spieler vor dem Begriff "Rollenspiel" zurück schrecken, warum auch immer, denn die Genres gehen fließend ineinander über.

      Du hast "Imperial Assault" als Beispiel genannt - es gibt quasi keinen Grund, warum man die Missionen und das Material nicht einfach für / mit dem Star Wars RPG nutzt, dass würde den Spielleiter nur wenig mehr Aufwand kosten.

      Halt, da fällt mir noch ein großer Unterschied ein - beim RPG spielt der Spielleiter mit den Spielern, nicht gegen sie.
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    • Wenig mehr Aufwand?

      Ich bin ja leider Rollenspielnoob - Mitunter auch, weil selbst einfache Systeme wie das Star Wars Rollenspiel doch deutlich mehr vom Spielleiter abverlangen als ein Dungeoncrawler. Einfach weil der Spielleiter in einem RPG (nach meinem Verständnis) vieeeeel mehr Eigenleistung ins Abenteuer einfliessen lassen muss, Würfelergebnisse deuten und die Geschichte dazu „erfinden“ muss. Wie gesagt: Habe bisher noch nie ein RPG gespielt, bin daher kein Experte, sondern das ganze sollte eher als Frage angesehen werden :)

      Beispiel: Man würfelt in Descent einen kritischen Treffer: Ergebnis steht auf der Heldenkarte (Blitz). Im RPG denkt sich doch der Spielleiter ein Geschichte zu dem kritischen Treffer anhand der Situation wie beispielsweise:“ Du verfehlst Deinen Gegner, die Kugel prallt ab und holt den Kronleuchter von der Decke - Der fällt auf Deinen Gegner und der ist Ko“

      Das ist doch schon deutlich mehr als ein vorgefertigter Dungeoncrawler...
    • Das kann man so nicht generalisieren. Mir kam es aber so vor als wäre Warhammer Quest - Shadows over Hammerhal eben nur so gut wenn der SL entsprechend investiert und da sind wir dann eben bei einem Rollenspiel. Du kannst auch fertige Abenteuer kaufen, da steht eine Menge drin und je nach Schwierigkeitsgrad/Komplexität ist das mehr oder weniger Aufwand. Wer, wie und wo, etwas beschreibt, ist auch Sache des Systems und der Gruppe. Für mich ist der Unterschied zwischen einem Rollenspiel und einem Dungeon Crawler, das letzeres fast nur den Kampf und seichte Charakterentwicklung bietet. Wer Descent spielt, der spielt ganz sicher kein Rollenspiel.

      Nur wenn die Spielgruppe mehr Spaß an den Szenen hat wo man 2 Stunden lang nicht kämpft und sich über die Atmosphäre freut die der Overlord streut, weil das System krankt, dann kann man eben schon in betracht ziehen mit dieser Gruppe Pen & Paper zu spielen. Denn hier gibt es einen viel größeren Anteil an atmosphärischem Spiel, je nach System und Gruppe ausweitbar. Zur Zeit leite ich Fragged Empire und in dem Abschnitt wo wir sind, gab es 6h lang nur Konversationen und "Rätsel", in bester PC-Adventure Manier. Anderes Beispiel ist die Cthulhu Kampagne, dort versucht man jegliches kämpfen gleich zu vermeiden. Auf er anderen Seite kann man bestimmte Pen&Paper Systeme, wie z.B. Pathfinder, als Schlachtfest interpretieren. Da gibt es dann Figuren ohne Ende, Spielfelder, massig Waffen und taktische Kämpfe. Im Prinzip ist der Inhalt dieser Diskussion der Grund warum ich den meisten Dungeon-Crawlern gegenüber abgeneigt bin. Mir ist das oft zu stumpf, ich greife da lieber zum Pen & Paper.
      Brett und Pad – der Blog über Brett-, Videospiele und Tabletops. Aktuell: Meine Spiel'17 Highlights
    • Das ist die Sicht eines Rollenspielers, der sich schon seit geraumer Zeit damit beschäftigt.
      Kann ich nachvollziehen und zustimmen.


      Aber es ist nunmal nicht jeder routinierter Rollenspieler und hat Rollenspieler-Freunde.
      Ich habe beispielsweise diverse vorgefertigte Abenteuer für Dark Heresy unterschiedlicher Komplexität im Schrank, schön in Buchform aufbereitet. Ebenso die Witchfire Trilogy für das Warmachine Pen & Paper. Und irgendwo müsste als PDF auch noch ein vorgefertigtes D&D-Abenteuer rumgeistern. Die Pathfinder-Abenteuerboxen sind mir bekannt, habe ich mir schon mehrmals angeschaut.

      Und trotzdem spiele ich kein P&P, respektive leite ich keines.
      Warum?
      Schlicht und ergreifend weil es trotz allem zuviel Aufwand ist.
      Regeln und Hintergrund wollen gelesen werden, Charaktere wollen mit Leben gefüllt werden, es müssen Alternativ-Handlungsoptionen bereitstehen, wenn die Spieler eben nicht das machen, was angedacht war. Wie ihr ja schon richtig sagtet: der Reiz eines P&P besteht darin, dass die Interaktion mit der Spielwelt nicht nur auf "Kämpfen" reduziert wird, sondern dass das "volle Programm" zur Verfügung steht. Was es aber eben nicht von selbst tut, Einteigerabenteuer hin oder her. Hat man niemanden, der bereits Erfahrung damit hat, bleibt es wohl oder übel an einem selbst hängen. Natürlich könnte man auch einfach mal "drauflosspielen" - aber wer will dann schon mitten in der Session anfangen, sich panisch eine neue Sidequest auszudenken und zu überlegen, was denn dieser NPC jetzt wohl sagen könnte/reagieren könnte, nachdem die Spieler ihn mit einer nicht vorgesehenen Situation konfrontiert haben. Entweder bereite ich mich also umfangreich vor, oder es gibt keinen Spielleiter und damit kein Pen & Paper.

      Damit nicht genug, es hat ja auch noch die Spieler.
      Natürlich kann man einfach einen vorgefertigten Charakter nehmen und fertig. Besser - insbesondere auch für das Verständnis des eigenen Charakters - wenn die Spieler sich die Zeit nehmen und den Charakter selbst erstellen. Welche Rasse, Stärken, Schwächen, Klasse, Hintergrund, etc. Ein bisschen mit der Welt beschäftigen wäre auch noch schön. Braucht alles Zeit und auch den Willen, sich damit auseinanderzusetzen.

      Das sind meine Gründe, weshalb ich keine Rollenspiele leite. Und da werde ich nicht der Einzige sein.
      Natürlich könnte ich die Zeit einfach investieren. Aber so wichtig ist es mir schlichtweg nicht, da ich sowieso nicht die Lust und Zeit habe, mich regelmässig mehrere Stunden für eine Rollenspielrunde zu treffen - da sind mir andere Hobbies einfach deutlich wichtiger.

      Und deshalb ist für Leute wie mich Shadows over Hammerhal - zumindest nach momentanem Stand der Dinge - ein gutes Konzept. Es hat eine solide, wenn auch unspektakuläre Spielmechanik, und gibt dem Spielleiter genug Material an die Hand, damit er das Spiel ohne grosse Vorbereitung (für Rollenspiel-Verhältnisse; Brettspiel: mit etwas Vorbereitung) von der mechanischen auf die erzählerische Ebene hieven kann.
      Sicher nichts für Rollenspieler, und auch nichts für Mechanik- oder Balance-Liebhaber. Aber wenn man sich drauf einlassen kann, eben auch kein schlechtes Spiel, im Gegenteil.
      Wenn dir egal ist, wo du bist, kannst du dich auch nicht verlaufen.
    • Wir drehen uns total im Kreis deswegen aber trotzdem möchte ich nochmal versichern, der Unterschied ist nur in Deinem Kopf!
      Es gibt z.B. absolut keinen Grund, warum man ein Rollenspiel nicht mit einem vorgefertigten Charakter spielen sollte, wenn man es doch bei einem Dungeon Crawler auch macht. Und es gibt auch gar keinen Grund, warum man bei einem Rollenspiel nicht zu einem Spieler sagen könnte "das kannst Du jetzt nicht machen", wie man es bei einem Dungeon Crawler auch macht... Der Unterschied ist komplett aufgestülpt, das eine ist eigentlich fast dasselbe wie das andere (weswegen die Rollenspieler ja auch sagen, "kann man genauso gut ein Rollenspiel spielen").
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    • Aktuell gibt es zum Beispiel für Splittermond eine Einsteigerbox, in der man mit vorgefertigten Regeln spielt.
      Und weiter - obwohl wir alle erfahrene Rollenspieler sind, haben wir während der Beta von Splittermond mit mit den Archetypen gespielt.
      UND aktuell erscheinen bei Splittermond spezielle Abenteuer-Bände, mit denen der Spielleiter direkt loslegen kann, OHNE Vorbereitung.
      Die Konsumierbarkeit von Rollenspielen wird meiner Meinung nach beständig verbessert, während die Komplexität nach oben hin offen bleibt.

      Es gibt auf der anderen Seite Dungeon Crawler, die sehr strenge Regeln haben - Beispielsweise #ImperialAssault - aber niemand hindert den imperialen Spieler daran, MIT den Spielern zu spielen und dramaturgisch die Regeln zu biegen, damit das Spiel Rollenspiel-ähnlicher wird... Die Übergänge sind komplett fließend...
    • Neu

      Mein fremdbemaltes Silvertower von Ebay ist nun angekommen und ich bin doch positiv überrascht - so schlimm bemalt wie ich dachte ist es garnicht (nur die Augen hätte ich nicht bemalt :D )...

      @Dirtbag

      Kannst Du noch etwas zur (offiziellen) Kombination der beiden Spiele sagen? GW spricht ja davon, dass man die Helden und Monster auch jeweils quer benutzen kann. Helden stelle ich mir unproblematisch vor, man wählt diese ja am Anfang aus und so wie es ausschaut sind die Heldenkarten gleich.

      Wie siehts mit den Monstern (und vielleicht den Spielplanteilen) aus?

      - Wie kommen beispielsweise die Monster aus Hammerhal während des Spielens von Silvertower ins Spiel?
      - Und umgekehrt, wie hat der Dungeonmaster Zugriff auf die Monster aus Silvertower (gibts so etwas wie freie Gruppen ala Descent?)
      - Werden manchmal zufällige Spielplanteile angelegt, so das ein mischen der beiden Stapel Sinn macht, oder sind die jeweils wirklich nur für das jeweilige Spiel (nach den offiziellen Regeln/Quests)?

      Fragen über Fragen :D
    • Neu

      Die Spielplanteile bleiben separat: wenn man nicht gerade hausgemachte Szenarien spielt, wird Silvertower nie Spielplanteile aus Hammerhal benutzen oder umgekehrt.
      Im Prinzip besteht die Kombinierbarkeitalso vor allem aus Helden und Monstern.

      Bei Helden siehst du es ganz richtig: die kann man einfach 1:1 in beiden Spielen benutzen.
      Es empfiehlt sich ausserdem, auch die Heldenkarten gleich noch zu kaufen. Ob man dann auch die Minis kauft oder einfach proxt, bleibt jedem selbst überlassen, aber 40+ Helden geben doch ordentlich Wiederspielwert, da sie sich doch sehr unterschiedlich spielen. Die deutsche Version scheint allerdings nicht mehr erhältlich zu sein (ein Freund hat sie kürzlich vergeblich gesucht). In irgendeinem White Dwarf (Update heute abend, wenn ich nachschauen kann) sind ausserdem noch Heldenkarten für 4 Charaktere der neuen Steampunk-Zwerge (Kharadron Overlords; Aether-Khemist, Aetheric Navigator, Endrinmaster und Arkanaut Admiral) enthalten.

      Was bei einer grösseren Auswahl an Helden ausserdem noch nett ist:
      Gelegentlich kommt es bei Silvertower vor, dass man auf andere umherirrende Seelen trifft, die sich dann der Party für eine gewisse Zeit anschliessen. In diesem Fall wird aus den nicht benutzten Heldenkarten zufällig eine gezogen, und der Held ist dann als Begleiter mit dabei. Hat man mehr Helden zur Verfügung, ist logischerweise auch die Abwechslung bei den Begleitern höher (sofern man denn jemanden trifft).

      Bei Monstern ist es etwas umständlicher.
      Du hast sowohl bei Silvertower als auch bei Hammerhal einige Gegner-Profile, die als "exotische Gegner" gekennzeichnet sind. Die können bei beiden Spielen statt normalen Gegnergruppen erscheinen / gewählt werden, wenn man auf der Spawn-Tabelle entsprechend würfelt (Silvertower) oder sich der Dungeonmaster dafür entscheidet (Hammerhal).
      Das Problem bei exotischen Gegnern ist aber, dass sie oft stärker sind als normale Gegner oder in grösseren Gruppen auftauchen (das ist insbesondere bei den exotischen Gegnern aus Hammerhal der Fall). Bei Hammerhal ist da der Dungeonmaster gefragt, bei Silvertower liegt es im Ermessen der Spieler, ob sie sich das Spiel schwerer machen wollen oder nicht. Dazu kommt, dass es ja nicht nur einen oder zwei exotische Gegner gibt, sondern alles zusammengenommen (Silvertower, Hammerhal, White Dwarf) eher so 6-8 (habe die genaue Anzahl nicht im Kopf). Es stellt sich also nicht nur die Frage "ob", sondern auch "was". Ich für meinen Teil löse es einfach so, dass ich es bei Silvertower auswürfle. Können exotische Gegner auftauchen, kommen sie bei 5+. Dann noch die verfügbaren exotischen Gegnertypen kurz durchnummeriert und nochmal würfeln.

      Theoretisch kann man auch die Begrenzung "nur exotische Gegner" einfach ignorieren und alles benutzen. Es haben alle Gegner ein Verhaltensprofil und können somit in beiden Spielen eingesetzt werden. Schlussendlich ist das Ermessenssache.

      Die wichtigsten Gegner sind imho die Horrors aus Silvertower.
      In beiden Spielen kommen Tzeentch-Kultisten vor, die potentiell einen Pink Horror beschwören können. Bei Silvertower kein Problem, da die Horrors dort eh dabei sind. In Hammerhal jedoch nicht, und diese sehr schöne, stimmige (aber auch furchtbar nervige) Fähigkeit würde unter den Tisch fallen.

      Davon abgesehen gibt es aber meiner Meinung nach keine "Must Haves" bei den Gegnern.
      Insbesondere Silvertower kann man problemlos 1-2x komplett mit den enthaltenen Gegnertypen durchspielen, ohne dass man exotische Gegner wirklich vermissen würde. Durch den zufälligen Spawn und die 4 Spawn-Tabellen taucht sowieso immer wieder was anderes auf. Wir hatten schon Spiele, in denen wir gefühlt nur Tzaangors oder Horrors als Gegner hatten, und in anderen schien der Silvertower von einer wahren Grot-Scuttling-Plage befallen zu sein (und wir fingen schon an, uns regelrecht nach Tzaangors zu sehnen). Exotische Gegner sind mehr so eine nette Abwechslung zwischendurch - etwas Besonderes, das nicht immer kommt.
      Hammerhal ist, zumindest in den Anfangs-Dungeons, etwas eingeschränkter in der Gegnervielfalt. Da kann man als Dungeonmaster schonmal in Versuchung geraten, etwas anderes als Tzeentch-Kultisten aufzustellen, wenn man die Gelegenheit dazu hat.

      Deshalb:
      Wenn man nicht eh gerade Dämonen daheim rumstehen hat oder mit einer kleinen Armee liebäugelt, kann man sich die exotischen Gegner erstmal sparen.
      Ich würde eher in die Heldenkarten und in Gorechosen investieren: vierzig Heldenkarten, vier Helden plus ein sehr unterhaltsames Brettspiel. Exotische Gegner dann irgendwann nach Bedarf und Lust.
      Wenn dir egal ist, wo du bist, kannst du dich auch nicht verlaufen.
    • Neu

      Supervielen Dank für Deine Ausführungen!!

      Puh - Viele Helden sind schon bei Zombicide eher Nebensache für mich, ich mag da eine Monstervielfalt (Aber die Monster müssen natürlich auch zum Einsatz kommen :) ).

      Eine Frage habe ich da noch: Wie sieht es denn mit der Tabelle aus, auf die bei Silvertower gewürfelt wird? Da stehen doch sicher nicht die Hammerhal Monster drauf, oder?
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